ElsassFrankreich

Mulhouse

Die Auto- und Stoffdruckstadt

„Schlumpf“ – das kurze Wort lässt Herzen höher schlagen! Autonarren wissen, wo sich die berühmte Sammlung der Brüder Schlumpf befindet. Für sie und ihre Familien ist das Automobilmuseum im elsässischen Mulhouse ein Reiseziel ersten Ranges. Hier, zwischen Rhein und Vogesen, stehen über 400 Luxuskarossen in einer umgebauten alten Wollspinnerei. Fast 100 Automarken, Oldtimer und Klassiker: Panhard, Peugeot, De Dion, Ferrari, Bugatti, Benz… Während des Festivals im Sommer rollen sie ins Freie. Ein lebendiges Museum!

Die französische Stadt Mulhouse liegt im Herzen des Upper Rhine Valley, 25 km vom südlichen Eingangstor zur Elsässischen Weinstraße entfernt. Ehe man dort Weine verkostet, sollte man Mulhouse, das El Dorado für Technik, Wirtschafts- und Industriegeschichte besuchen. Hier sieht man, wie Europas Reichtum entstanden ist und wie man die Zukunft nachhaltig, ökologisch und vernetzt gestaltet.

Fortschrittlichkeit und Eigensinn

Die Bewohner der Stadt, stark durch Protestantismus und Humanismus geprägt, waren in allen Epochen innovativ und eigenständig. Zugleich haben sie ihr historisches Erbe bewahrt und gepflegt. Lange Zeit war die Stadt unabhängige Republik, Mitglied der Schweizer Eidgenossenschaft. Zeugnis der Unabhängigkeit ist heute noch das Alte Rathaus, ein prächtiger Renaissance-Bau aus dem 16. Jahrhundert, in dem  die Ratsherren der Republik Mulhouse tagten. Es steht an der Place de la Réunion, wo der neugotische Temple St. Etienne, die höchste protestantische Kirche Frankreichs, mit anderen historischen Gebäuden ein geschichtsträchtiges Ensemble bildet.

Wie in der Schweiz entwickelte sich auch in Mulhouse ein reges Manufakturwesen. Im 18. Jahrhundert erfanden die Unternehmer Koechlin, Dollfus und Schmalzers ein Verfahren, Baumwollstoff maschinell zu bedrucken. Importware aus Indien, französische Woll- und Seidenstoffe bekamen enorme Konkurrenz. Jede Frau in Europa trug Sommerkleider aus Mulhouse! Der Export ging bis ins Osmanische Reich.

Museen für Stoffdruck und Tapeten gibt es nur in Mulhouse

Im Stoffdruckmuseum – dem einzigen der Welt – zeigt die ständige Ausstellung alte Druckstöcke und Druckmaschinen, Muster und Stoffe aus der Region und aus der ganzen Welt. Kunstgewerbe, Industrie, Technik, Mode, Orts- und Sozialgeschichte sind die Themen, nach der die zahllosen Exponate geordnet sind. Einzigartige Sonderausstellungen, wie kürzlich die mit nie gezeigten Stoffen der russischen Revolutionäre finden mehrmals in Jahr statt.

Tapeten für jedes Haus – diese revolutionäre Idee wurde von Unternehmern aus der Stoffbranche umgesetzt. In Rixheim zeigt das Tapetenmuseum grandiose Muster aus drei Jahrhunderten. Jeder Besucher bekommt Lust, seine Wohnung neu zu dekorieren – ob im Jugendstil, mit Palmen, Sonnenaufgängen, Südseepanoramen oder im eleganten Décor des französischen Adels.

Arbeiterstadt – Vorzeigestadt

Eisenbahnbau, Chemiebetriebe und Maschinenbau trieben Industrialisierung und Bevölkerungswachstum voran. Mulhouse war bald das Manchester Frankreichs. Die Stadt wuchs, nicht nur um Villen mit weißen Säulen, wie sie die Baumwolllieferanten in Louisiana hatten. Reihenhäuser wie in Manchester entstanden und das verantwortungsvolle Wirtschaftsbürgertum ließ Arbeitersiedlungen mit Licht, Gärten und Gemeinschaftshöfen anlegen. 1853 entstand die Cité Ouvrière für 1200 Familien – heute ein Must für den urbanen Flaneur. Wie auch La Fonderie, 1823 mitten in der Stadt für den Bau von Dampfloks gebaut, später erweitert um mechanische Webstühle und Druckmaschinen; heute konserviert und umgemünzt als Kunsthalle und Universitätsgebäude. 1962 hatte Peugeot in Mulhouse mit der Produktion begonnen. 2004 entstand ein modernes Sozialwohnungsviertel an der Cité Ouvrière, u.a. gebaut von Stararchitekten wie Jean Nouvel.

Durch die verschiedenen Herkunftskulturen der Stadtbevölkerung verfügt Mulhouse über einen großen Wochenmarkt – der grösste von Nord-Ost Frankreich. Hier werden Produkte aus der ganzen Welt, besonders aus Südeuropa, Asien und Nordafrika ganz selbstverständlich neben den regionalen Spezialitäten verkauft.

Entschieden nachhaltig – entschieden europäisch

Mit ihrem Schatz gut erhaltener historischer Gebäudeensembles, mit ihren Kunstsammlungen, historischen Stadtquartieren (Börsenviertel, Neues Viertel), einer engagierten und gastfreundlichen Bevölkerung, mit technischen Museen (Eisenbahn, Stoffdruck, Tapeten, Elektrizität), riesigen Parks mit seltenem Baumbestand, Leihrädern – mit alledem zeigt Mulhouse, dass es mit Bravour im nachhaltigen Zeitalter angekommen ist. Mulhouse weiß seine grenznahe Lage in grenzüberschreitenden Kooperationen zu nutzen. So gibt es gemeinsame Stadtratsitzungen Freiburg-Mulhouse und den Zug REGIO, der das Upper Rhine Valley vernetzt. Hochgeschwindigkeitszüge verbinden Mulhouse mit den großen europäischen Städten. Und: Mulhouse teilt sich mit Basel und Freiburg einen großen internationalen Flughafen, den Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg.

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